Winterzeit ist Beobachtungszeit
Vögel im Winter füttern: beobachten, verstehen, richtig füttern
Wenn draußen die Temperaturen sinken, beginnt am Futterplatz eine ganz besondere Zeit. Meisen, Finken, Rotkehlchen und viele weitere gefiederte Gäste lassen sich jetzt wunderbar aus der Nähe beobachten. Wer Vögel im Winter füttern möchte, kann ihnen eine zusätzliche Nahrungsquelle anbieten und dabei die heimische Vogelwelt besser kennenlernen.
Dabei kommt es nicht nur darauf an, was im Futterspender landet. Ein sauberer und geeigneter Futterplatz, natürlich vorhandene Nahrung und ein möglichst naturnah gestalteter Garten oder Balkon gehören ebenfalls zu einer verantwortungsvollen Winterfütterung.
Willkommen bei elles! Hier findest du die wichtigsten Tipps rund um eine verantwortungsvolle Winterfütterung kompakt an einem Ort. Im Mittelpunkt stehen das Beobachten, Verstehen und Unterstützen unserer heimischen Gartenvögel.
Für schnelle Flatterfreunde
Wintervögel entdecken: Wer besucht deinen Futterplatz?
Kohlmeise oder Blaumeise? Haussperling oder Feldsperling? Und wer hüpft dort eigentlich unter dem Futterspender durch das Laub?
Eine Futterstelle bietet eine schöne Gelegenheit, unsere heimischen Vögel aus nächster Nähe kennenzulernen. Gerade im Winter lassen sich verschiedene Arten oft gut beobachten. Dabei wird schnell deutlich: Jeder Vogel verhält sich etwas anders. Manche landen direkt am Futterspender, andere warten lieber darunter auf heruntergefallene Körner oder Flocken.
Warum Vögel im Winter füttern?
Im Winter verändert sich das natürliche Nahrungsangebot. Insekten, Samen, Früchte, Beeren oder andere Nahrung können in der kalten Jahreszeit weniger verfügbar sein. Auch Frost, Schnee, Eis oder anhaltende Nässe können die Nahrungssuche zusätzlich erschweren. Viele Vogelarten stellen ihre Ernährung deshalb im Laufe des Jahres um.
Eine zusätzliche Futterstelle kann Gartenvögeln in dieser Zeit Nahrung anbieten. Der NABU ordnet die klassische Winterfütterung insbesondere in den Zeitraum November bis Februar ein.
Vogelfütterung ist kein Ersatz für den Schutz natürlicher Lebensräume. Viele seltene oder gefährdete Vogelarten besuchen klassische Futterstellen gar nicht. Naturnahe Gärten, geeignete Lebensräume und natürliche Nahrungsquellen bleiben deshalb besonders wichtig.
Eine Futterstelle darf also vor allem eines sein: eine zusätzliche Unterstützung und gleichzeitig ein wunderbarer Ort, um Vögel zu beobachten und besser kennenzulernen.
Welches Futter für welchen Vogel?
Nicht jeder Schnabel sucht dasselbe. Ganz grob lassen sich viele Besucher am Futterplatz in Körnerfresser und Weichfutterfresser einteilen. Einige Arten sind besonders flexibel und stellen ihre Ernährung im Winter teilweise auf Körnerfutter um.
Körnerfresser
Finken, Sperlinge und Ammern besitzen kräftige Schnäbel, mit denen sie Samen und Körner gut aufnehmen und öffnen können.
Typische Gäste:
Buchfink, Grünfink, Haussperling und Feldsperling
Passendes Futter:
Sonnenblumenkerne, unterschiedliche Sämereien und geeignete Körnermischungen
Weichfutterfresser
Amseln, Rotkehlchen und Heckenbraunellen bevorzugen weicheres Futter. Dieses sollte besonders sorgfältig angeboten und regelmäßig kontrolliert werden, damit nichts verdirbt.
Typische Gäste:
Amsel, Rotkehlchen und Heckenbraunelle
Passendes Futter:
zum Beispiel Obst, Rosinen, Haferflocken und geeignete Weichfuttermischungen
Flexible Futtergäste
Meisen, Kleiber und einige Spechtarten können ihre Ernährung an das saisonale Angebot anpassen und nehmen im Winter beispielsweise auch Samen, Sonnenblumenkerne oder Fett-Körner-Mischungen an.
Typische Gäste:
Kohlmeise, Blaumeise, Kleiber und Buntspecht
Passendes Futter:
Sonnenblumenkerne, Saaten und geeignete Fett-Körner-Mischungen
Meisenknödel im Winter? Am besten ohne Kunststoffnetz
Fett-Körner-Mischungen werden von verschiedenen Vogelarten angenommen und sind besonders bei Meisen beliebt. Beim Anbieten sollte allerdings nicht nur der Inhalt berücksichtigt werden.
Meisenknödel sollten ohne Kunststoffnetz angeboten werden. In Netzen können sich Vögel mit ihren Beinen verfangen. Netzlose Knödel lassen sich stattdessen in einem passenden, wiederbefüllbaren Knödelhalter anbieten.
Ein guter Futterplatz ist vor allem ein sauberer Futterplatz
Wo viele Vögel zusammentreffen, spielt Hygiene eine besonders wichtige Rolle. Sinnvoll sind Futterstellen, bei denen die Tiere möglichst nicht direkt im Futter sitzen und es dadurch mit Kot verunreinigen können.
Futtersilos und geeignete geschlossene Futterspender, bei denen die Vögel möglichst nicht direkt im Futter sitzen, können dabei helfen, das Futter geschützt und hygienisch anzubieten. Fallen kranke oder tote Vögel an der Futterstelle auf, sollte die Fütterung zunächst eingestellt und die Futterstelle gründlich gereinigt werden.
Wo sollte die Futterstelle stehen?
Wähle möglichst einen übersichtlichen Standort, an dem sich Katzen oder andere Fressfeinde nicht unbemerkt anschleichen können. Gleichzeitig sollten Bäume, Sträucher oder andere geeignete Strukturen in der Umgebung Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Achte außerdem auf Fensterscheiben in der Nähe der Futterstelle. Spiegelungen oder freie Durchsichten können für Vögel gefährlich werden. Falls nötig, sollten die Scheiben von außen mit wirksamen Vogelschutzmarkierungen versehen werden.
Und das funktioniert nicht nur im Garten: Auch auf Terrasse oder Balkon lässt sich ein gut einsehbarer und sauberer Futterplatz einrichten.
Der beste Futterplatz beginnt nicht im Futterspender
So schön eine gut besuchte Futterstelle auch ist: Natürlich vorhandene Nahrung lässt sich durch keine Futtermischung vollständig ersetzen.
Samenstände von Wildpflanzen, Früchte und Beeren, heimische Gehölze, Laub und andere naturnahe Strukturen können Vögeln und vielen weiteren Tieren Nahrung, Rückzugsmöglichkeiten und Lebensraum bieten.
Kein Garten? Kein Problem.
Auch auf einem Balkon können naturnahe Pflanzen und kleine Rückzugsbereiche einen Unterschied machen. Zusammen mit einer geeigneten, hygienischen Futterstelle entsteht so dein ganz persönlicher Platz zum Beobachten und Entdecken.
Was flattert heute bei dir vorbei?
Vielleicht kommt morgens zuerst die Kohlmeise. Wenig später übernimmt eine kleine Gruppe Sperlinge den Futterspender. Unter einem Strauch wartet schon das Rotkehlchen und am Boden sucht eine Amsel nach Fressbarem.
Je öfter du hinschaust, desto mehr Unterschiede wirst du entdecken:
Welche Arten kommen allein und welche in Gruppen?
Wer landet direkt am Futterspender?
Wer sucht lieber am Boden?
Und wer ist bei dir der heimliche Chef am Vogelbuffet?
So wird aus einer einfachen Futterstelle ein kleines Fenster in die heimische Vogelwelt.
Deine Beobachtung zählt
Bei der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ kannst du die Vögel vor deinem Fenster, im Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachten und deine Sichtungen melden. Alle Informationen zur Aktion findest du beim NABU.
Passendes Futter für deine Wintergäste
Welche Vögel deinen Futterplatz besuchen, hängt von vielen Faktoren ab. Mit unterschiedlichen Futterkomponenten kannst du verschiedenen Vogelgruppen ein passendes Angebot machen.
Wildvogel-Mix
Erdnüsse und Sonnenblumenkerne treffen auf Weizen- und Haferflocken, Rosinen und Hanfsaat. So vereint der Wildvogel-Mix verschiedene Futterkomponenten in einer abwechslungsreichen Mischung für unterschiedliche Gäste am Futterplatz.
Energie-Mix
Mit geschälten Sonnenblumenkernen, gehackten Erdnüssen, Flocken und Rosinen kombiniert der Energie-Mix unterschiedliche Futterkomponenten.
Beeren-Schmaus
Rosinen, Hagebutten und verschiedene Beeren treffen auf Flocken, Sonnenblumen- und Erdnusskerne. So bringt der Beeren-Schmaus fruchtige und kernige Vielfalt an den winterlichen Futterplatz.
Heimat-Liebe
Flocken, Lein- und Wildsamen sowie feine Maisstückchen aus deutschem Anbau vereint die Heimat-Liebe zu einer schalenfreien Mischung für abwechslungsreiche Wintermomente am Futterplatz.
Geschälte Sonnenblumenkerne
Sonnenblumenkerne werden von vielen Körner- und Gemischtfressern angenommen. Geschälte Kerne hinterlassen zudem weniger Schalen rund um die Futterstelle.
Meisenknödel ohne Netz
Netzlose Meisenknödel lassen sich praktisch in einem wiederbefüllbaren Knödelhalter anbieten.
Knödel-Kumpel
Der wiederverwendbare Halter bietet Platz für bis zu drei Meisenknödel ohne Netz und lässt sich einfach im Garten oder auf dem Balkon aufhängen.
Ein Futterplatz voller kleiner Geschichten
Verantwortungsvolle Winterfütterung bedeutet mehr als nur Futter bereitzustellen. Sie verbindet passende Nahrung mit einem sauberen Futterplatz, natürlichen Nahrungsquellen und einem aufmerksamen Blick auf die Vogelwelt vor unserer Haustür.
Und vielleicht beginnt genau dort etwas ganz Besonderes: Du erkennst den ersten Vogel wieder, bemerkst unterschiedliche Verhaltensweisen und schaust plötzlich etwas genauer hin, wenn es draußen raschelt und zwitschert.